Gebloggt

Nichts, was bleibt – eine Kapitalismuskritik

Das Nichts ist still, dunkel und leer. Vielleicht ist es ein purpurner Vorhang, der alles umhüllt. Das Nichts verschlingt und macht sich breit und – bleibt. Mit dem Kapitalismus kam das Nichts in die Familie Loman. Da wurden Bedürfnisse geweckt, von denen man nicht wusste, dass man sie hatte. Große Erwartungen wurden an die nächste Generation weitergereicht, Ziele gesteckt, für die man bereit war, die Seele zu verkaufen. Aber der Kapitalismus ist grausam. Ist das Bedürfnis erst gestillt, dann bleibt da – Nichts.

Das Nichts hat den Protagonisten fest im Griff. Keine Hoffnung, keine Liebe, kein Ausweg. Da ist nur noch so etwas, wie ein zerrupftes Vögelchen, schutzbedürftig, will umarmt und geliebt werden – und doch nicht – denn er selbst hat Nichts zu geben. „Sometimes I feel like a motherless child“ klingt es da aus der Ferne. Das Nichts verschlingt die Lebenskonstruktionen – Familienkonstruktion, Männlichkeitskonstruktion. Der Protagonist hat sein Leben damit zugebracht, daran zu glauben, vielleicht sogar dafür zu kämpfen, doch der amerikanische Traum ist ausgeträumt. Die Kinder sagen, sie wüssten nicht, was tun. Vielleicht am liebsten auf der Wiese sitzen, versuchend, das Leben zu fassen, das so schnell den Händen entrinnt. Das Nichts einer kapitalistischen Welt hat den Handlungsreisenden umgebracht. Sein Sohn wird einmal über ihn sagen, dass am meisten von der Persönlichkeit seines Vaters wohl in der Veranda des Familienhauses steckte, in die er so viel Zeit und Geld investierte. Am Ende bedeutet es Nichts und der Vorhang bleibt verschlossen.


Tod eines Handlungsreisenden
von Arthur Miller
Regie: Robert Borgmann

Weitere Infos und Karten …hier

Foto: JU

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