Gebloggt

Gebloggt: Keine Liebe ohne Achterbahnfahrt

Ein Eis essen, mit der Achterbahn fahren – mehr ist es nicht, was Karoline sich von ihrem Bräutigam Kasimir wünscht. Doch der wurde gerade entlassen. Vier Mark hat er noch; zu wenig, um ein vergnügtes Oktoberfest zu verbringen. Und so vergehen nur wenige Minuten, ehe Kasimir – im wahrsten Sinne des Wortes – hinter dem Vorhang verschwindet und sich Karoline dem Angestellten Egon Schürzinger hingibt. Später kommen noch der Kommerzienrat Rauch und Kasimirs Freund Franz Merkl sowie dessen Freundin Erna ins Spiel. Und während Karoline – ohne ihr Wissen – still weitergereicht wird, begibt sich der Ex-Chauffeur Kasimir um ein Haar auf abgründige Pfade…

Ödön von Horváths Stück Kasimir und Karoline hinterlässt einen kurzweiligen Eindruck: Da wird gestritten und geflirtet, diskutiert und gelacht, und selbst die viel zitierte Achterbahn kommt schlussendlich doch noch zum Einsatz. Über all dem schwebt das Damoklesschwert des aufziehenden Faschismus – umso bedrohlicher wirkend im Hier und Jetzt, da wir genau wissen: Es wird nicht dabei bleiben. Doch die zentrale Frage, die sowohl Egon Schürzinger wie auch Merkl Franz aufwerfen, ist eine andere: Wie viel Armut verträgt eine Liebe? Bemisst der Wert eines Menschen sich am Ende nur an seiner Arbeit?

Mit Blick auf unsere Tage möchte manch einer es glauben – wie bei so Vielem, was das Stück uns präsentiert. Theoretische Debatten bleiben uns dabei erspart: Nur einmal äußert sich Schürzinger direkt zum Thema, und das zu perfekt, als dass es authentisch sein könnte. Sein Handeln hingegen spricht Bände: Aussicht auf eine Beförderung veranlasst ihn, Karoline Rauch zu überlassen – aller Zuneigung zum Trotz.

Einzig das Ende des Stückes lässt hoffen, denn schließlich finden Kasimir und Karoline doch ihren jeweiligen Gegenpart. Den durchweg materialistischen Ton des Stücks kann und will das jedoch nicht in Vergessenheit bringen.


Kasimir und Karoline
Volksstück von Ödön von Horváth
Regie: Stefan Pucher

Wiederaufnahme am 1. Oktober 2017 im Schauspielhaus
Karten und Termine …hier

0 comments on “Gebloggt: Keine Liebe ohne Achterbahnfahrt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: