Reingeschaut

Reingeschaut: Die Glorreichen

Welchen Einfluss hat Kunst auf die Demokratie? Welche Verantwortung tragen Schauspieler in einer modernen Gesellschaft? Am Burghauser „Theater für die Jugend“ griff man diese Fragen mit einem ungewöhnlichen Projekt auf. Unterstützt vom Auswärtigen Amt, der Stadt Burghausen und der Regierung von Oberbayern schickt man Die Glorreichen in den Kampf gegen die Ungerechtigkeit.  Ein Western für die Bühne, der dabei Schauspieler aus Deutschland und der Republik Moldau zusammenbringt.

Vorlage für das Bühnenstück ist der 1960 verfilmte Western Die glorreichen Sieben: Das kleine mexikanische Dorf San Augustin wird in regelmäßigen Abständen von einer brutalen Bande bedroht und ausgeraubt. Die Menschen beschließen, sich zu wehren, wollen Gewehre kaufen. Angeführt vom mutigen Miguel reisen sie nach El Paso, doch das gesammelte Geld reicht nicht, sich adäquat mit Waffen auszustatten. Ein paar Revolverhelden bieten ihre Hilfe an. Zurück in San Augustin beginnt der Kampf gegen die Banditen. Es gibt Verletzte, es gibt Tote – am Ende bleibt die Frage, wer sich wirklich Gewinner nennen darf.

Das deutsch-moldauische Regieteam um Mario Eick, Manuel Harder und Sava Cebatori transferiert San Augustin nach Europa. Flüchtlings- und Finanzkrise, das Erstarken rechtspopulistischer Parteien, neue  Supermächte werden zunehmend zur Gefahr für die Demokratie. Es ist Zeit, die Humanität und Menschlichkeit, die Menschen und ihr Miteinander wieder in das Zentrum der Auseinandersetzung zu rücken. Diese Aufforderung soll Fokus sein für das Austauschprojekt zwischen zwei entfernten Polen Europas. Wofür stehen wir? Was verbindet und was trennt uns? Was können wir gemeinsam? Zehn Schauspieler aus Ludwigsburg, Berlin, Burghausen, Chișinău und Bukarest stellen sich in Die Glorreichen die Frage, was sie mit ihrem Beruf, mit ihrem Leben anfangen wollen. In ihren Soli erzählen sie ihre Geschichte, während sie sich als Westernhelden und Banditen einen erbitterten Kampf liefern. Wesentlicher Inhalt des Dialogs und letztlich des Stücks sollen dabei die tatsächlichen Geschichten und Erfindungen, die anzuzweifelnden Mythen, aber auch die Existenz- und Auseinandersetzungskämpfe, die Haltungen zu den Fragen von Gesellschaft und Werten liefern. Und vor allem die Kunst.

Ziel ist es durch diese bisher nie dagewesene Begegnung und Kooperation von deutschen und moldauischen Schauspielstudenten, Akteuren der Zivilgesellschaft, Hochschulen und Theatern zu einer Auseinandersetzung mit demokratischen und humanistischen Werten und ihrer zivilgesellschaftlichen Bedeutung sowie zu einem Wissenstransfer beizutragen. Erhofft wird sich durch diese intensive Zusammenarbeit der Hochschulen und Theater in Deutschland und Moldau den Grundstein für eine fortlaufende Kooperation zu legen, die einen weiteren Austausch von Studenten, Dozenten und Schauspielern ermöglicht.

Am 30. und 31. Mai gab es in Burghausen die ersten Werkstattaufführungen. Danach zog das Stück weiter – im Juni nach Chișinău, Balti und Soroca in der Republik Moldau, im Juli macht es Halt in Stuttgart und ist am 8. und 9. Juli im Nord zu sehen.

Das Deutsche Kulturzentrum Akzente unterstützt dabei das Goethe-Institut Bukarest bei der Koordination der beteiligten Partner und der Organisation der Durchführung der Workshops und Aufführungen in der Republik Moldau. Für das Goethe-Institut als Produktionsleitung steht dabei der Prozess, den das Stück in seiner Erarbeitung nimmt, im Mittelpunkt, wie Institutsleiterin Dr. Evelin Hust betont: „Die jungen moldauischen und deutschen Schauspieler werden sechs Wochen miteinander proben und leben und dabei ihre eigenen Geschichten und Perspektiven in ein Theaterstück miteinbringen.“ So entstünden ein kultureller Dialog und ein neues Verständnis – durch das Stück werde dies auch für den Zuschauer erlebbar. „Wenn wir es schaffen, dass die Menschen hier in Deutschland sich dafür interessieren, wo Chișinău eigentlich liegt, ist das schon ein kleiner Erfolg“, sagt Regisseur Mario Eick.  Im reichsten Land Europas  weiß man kaum Bescheid über die Republik Moldau, die 1991 ihre Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Moskau erklärt  und die rumänische Sprache wieder eingeführt hat.  Ganz bewusst hat Mario Eick Die Glorreichen deshalb zweisprachig gestaltet. Die deutschen Schauspieler sprechen ihren Text in ihrer Muttersprache, die Akteure aus der Republik Moldau auf Rumänisch. Dem Zuschauer erschließt sich der Zusammenhang aus Gestik und Mimik, ganz ohne Untertitel.


#civilsocietycooperation

Die Glorreichen
Politwestern von Mario Eick

Buch und Regie: Mario Eick
Co-Regie: Manuel Harder, Sava Cebotari
Ausstattung: Peter Schickart
Regieassistenz: Wolfram Niess

Es spielen: Romaniţa Alexeev, Igor Babiac, Janosch Fries, Godje Hansen, Jens Lamprecht, Esra Laske, Erich Maier, Anastasia Naşko, Marcela Nistor, Genia Pasat, Bálint Walter

Produktionsleitung:
Dr. Evelin Hust (Goethe-Institut Bukarest)
Mario Eick (Theater für die Jugend, Burghausen)
Manuel Harder (Schauspiel Stuttgart)

Am 8. und 9. Juli im Nord
Karten und Infos …hier

Unterstützt vom Auswärtigen Amt, der Stadt Burghausen und der Regierung von Oberbayern
Eine Koproduktion mit Corina Gîrla (AKZENTE, Chişinău) und Vlad Ciobanu (CNEA, Chişinău).

Partner: Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Schauspiel Stuttgart, Theater „Veniamin Apostol“ Soroca, Teatrul National „Vasile Alecsandri“ Bălți

0 comments on “Reingeschaut: Die Glorreichen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: