Vorgestellt

Ein Festtag der Offenen Gesellschaft- Bilder und Manifeste

Am vergangenen Samstag haben wir zusammen mit vielen Initiativen aus Stuttgart den Festtag der Offenen Gesellschaft gefeiert.
Bei einem interaktiven Spaziergang konnte man einige Initiativen, die sich direkt oder indirekt für eine offene Gesellschaft einsetzen, kennenlernen und untersuchen, inwieweit die offene Gesellschaft noch Utopie oder schon Wirklichkeit ist. Im Anschluss gab es ein großes Picknick im Nord mit allen und man konnte sich für die Kollektion #11 stärken, bei der zusammen mit Gari Pavkovic (Integrationsbeauftragter der Stadt Stuttgart), Janka Kluge (Landessprecherinnen des VVN-Bund der Antifaschisten), Christian Hermes (Stadtdekan) und Moderator Jörg Armbruster über die offene Gesellschaft und deren Feinde diskutiert werden konnte. Die teilnehmenden Intiativen haben für den Festtag jeweils ein Manifest geschrieben, in dem die Grundprinzipien, Werte und Ziele vorgestellt werden.
Alle, die es nicht ins Nord geschafft haben oder keine Zeit mehr hatten, alle Manifeste der teilnehmenden Initiativen durchzulesen, haben hier nochmal die Gelegenheit und können sich durch die Bildergalerie klicken.


Die Manifeste

zusammengestellt vom Citizen.KANE.Kollektiv

DAS MUSS MAN DENKEN KÖNNEN.
DAVON KANN MAN NUR TRÄUMEN.
DAS IST UNVORSTELLBAR.

Die Utopie dient als positiver Entwurf einer Welt, wie sie eines Tages sein könnte, heute aber noch nicht ist. Sie hilft uns, das Undenkbare denkbar zu machen. Wege zu suchen, wie wir es verwirklichen können. Konzepte zu entwerfen. Mit vollem Eifer darauf hin zu arbeiten, die unerreichbaren Ziele zu erreichen. Utopien weisen uns die Richtung, in die wir uns bewegen wollen. Sie sind nicht die kleinen, erreichbaren Ziele, nicht die rationalen, vernünftigen Pläne, nicht die  realistischen, bodenständigen nächsten Schritte. Utopien sind die unermesslich großen Vorhaben, die unvernünftigen, aber schönen Visionen, die nie zu erreichenden Fixsterne, denen wir folgen, den Fuß in der Luft, die uns trägt.

NICHTS IST UNVORSTELLBAR.
DAS MUSS MAN TRÄUMEN.
DAS MUSS MAN FESTHALTEN.
DAS MUSS MAN ANGEHEN.
DAS MUSS MAN FORDERN.

BEWEGUNG  DER RADIKALEN EMPATHIE

Zwischen uns allen soll es keine Trennungsstriche geben. Es ist unabdingbar, dass in erster Linie für das Gute im Menschen gekämpft werden sollte. Weder eine Verklärung der Sachlagen, noch eine Nicht-Thematisierung der Zustände, bzw. eine Verschleierung der Gräueltaten unserer Generation und der vorangegangenen Generationen, kann uns in irgendeiner Weise weiterbringen. Politische Kämpfe müssen nicht zwangsläufig bewaffnete sein.Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen gängigem linkem Aktivismus, der in unseren Augen viel zu martialisch daherkommt und hippieesker Intervention, die es verpasst hat, dort die Faust zu ballen, wo es unablässig ist.

CITIZEN.KANE.KOLLEKTIV
Im Fokus steht der Prozess, nicht das Ergebnis. Kollektive Kunst ist mehr als die Summe der Fähigkeiten aller Mitwirkenden. Innovation ist als Neuzusammensetzung bekannter Teile zu verstehen. Der Inhalt soll die Form bestimmen, nicht die Form den Inhalt. Das Kollektiv recherchiert in den  gesellschaftlichen Realitäten, nicht in anderen Kunstprodukten.

DIE OFFENE GESELLSCHAFT
Wir sind dafür, dass die Politik die freiheitlich und demokratisch eingestellte Mehrheit in Deutschland unterstützt. Wir sind dafür, dass das mangelnde  Demokratieverständnis und die fehlende Gemeinwohlorientierung, die in Teilen der Elite sichtbar ist, nicht weiter toleriert wird. Wir sind dafür, dass in einer offenen Gesellschaft nicht die Rede vom Volk, sondern von der Bevölkerung sein sollte. Wir sind dafür, dass all die vielen pro-demokratischen Aktionen, Initiativen, Kampagnen und Engagements zusammenarbeiten, um sichtbar zu machen, wer die Mehrheit in diesem Land ist. Wir sind dafür, dass wir Freunde werden! Wir schaffen das!

FOODSHARING
Das globale Problem der Lebensmittelverschwendung durch lokale Lösungsansätze greifbar machen. Bewusstsein für den ideellen Wert von Nahrung schaffen.
Mit immer mehr Betrieben Kooperationen aufbauen, um die übrigen Lebensmittel zu retten und kostenlos weiterzuverteilen. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen mehr Aufmerksamkeit auf Lebensmittelverschwendung richten. Mehr öffentliche Fair-Teiler aufstellen, damit Orte schaffen, an denen alle Menschen kostenlos Lebensmittel teilen können.

GALATEAS
Frauen sind keine Objekte! Auch nicht die armen und ungebildeten! Wir wollen keine Gesellschaft, in der Armut und Zwangsprostitution akzeptiert werden.
Mit Kunst ein bisschen Geld für die Aussteigerinnen aus der Prostitution sammeln. Wir wollen, dass Sexualität sowohl von Frauen, als auch von Männern geschützt und gepflegt wird – auf Augenhöhe! Ohne Zwang, Gewalt und Kriminalität!

INTERNATIONALER CHOR
Die Sprachen des IC sind Musik und Lachen. Musik und Lachen verbinden uns alle. Folglich steht der musikalische Erfolg nicht an erster Stelle. Unser oberstes Ziel ist es,Menschen durch die Universalsprache Musik zu einem gegenseitigen Verständnis zu bringen, damit die offene Gesellschaft zu stärken. Der IC hat keine Grenzen. Bei uns ist jeder Mensch jeder Herkunft, jeden Alters und Geschlechtes herzlich willkommen. Bei uns gibt es keinen Leistungsdruck. Keiner wird aufgrund seiner Leistungen bewertet. Jedes Chormitglied darf und soll sich im Chor einbringen. Ideen und Bedürfnisse werden ernstgenommen und respektiert.

JUGENDPRESSE BW
Förderung internationaler Verständigung. Toleranz auf allen Gebieten der Kultur. Mit der gleichen Begeisterung, wie wir langjährige und bewährte Kontakte pflegen, gehen wir auf neue Partner zu. Die Authentizität macht uns einzigartig. Begeisterte junge Menschen, die mit junger Projektarbeit viel bewegen können und immer noch mehr erreichen wollen.

KULTURINSEL
Wir schaffen einen Ort, an dem alle Zwänge abgelegt werden können. Eine Insel für jeden, für Geist und Seele inmitten eines stürmischen Meeres. Heimat für  Kreative, Künstler, Nachbarn, Kunst- und Kulturinteressierte, Menschen mit Fluchthintergrund, Macher, Gärtner und Genießer. Im Wechselspiel mit den  Besuchern sollen Gedanken und Inspirationen weiterentwickelt und -getragen werden. Ein stetiger Perspektivenwechsel ermöglicht erweitertes Verständnis unterschiedlichster Gegebenheiten und Überzeugungen. Kultur ist ein dynamischer Prozess, den alle Menschen gemeinsam beeinflussen.

LABYRINTH–THEATER
Nachhaltig-integrative Kulturarbeit mit geflüchteten Jugendlichen. Prozessorientierte Entwicklung der künstlerischen Darbietung = Teilhabe und gelebte Integration. Brücken bauen, Grenzen aufheben und nach einer gemeinsamen Sprache suchen. Wertevermittlung und Abbau von Vorurteilen. Persönlichkeitsentwicklung durch künstlerisches Wirken in stabilem sozialen Rahmen. Ankommen, Selbstvertrauen gewinnen, Freunde finden: Vom Ich zum Wir, durch die Kunst zum Miteinander.

LOTTE
Performances, Talks, Screenings, Workshops und Releases. Raum für ihre Ideen und Aufmerksamkeit für junge Autor*innen, Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Forscherinnen jeglicher Art. Interessierte zum Dialog zusammen bringen, Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Kultureller Praxis jenseits der etablierten Kultur einen öffentlichen Ort geben. Im besten Falle durch disziplinübergreifende Experimente. Leerer Raum, Politikbüro, Ausstellungsfläche, Ballettbühne, Wiese, Fitnessstudio, Baustelle, Queerbar, Märchenwelt, Leseecke, Filmstudio.

MEHR DEMOKRATIE E.V.
Verantwortungsbewusstsein und demokratisches Gemeinschaftsgefühl entsteht dann, wenn alle wissen: Was wir jetzt entscheiden wird Realität. Lasst uns den Finger, der immer auf „die da oben“ zeigt, umkehren auf uns selbst: Lasst uns anfangen selbst unsere Zukunft mitzugestalten! Lasst uns uns gemeinsam informieren, debattieren und dann abstimmen. Lasst uns nicht weiter die Augen verschließen, halten wir uns lieber gemeinsam den Spiegel vor: Was wir sehen werden, wird manchmal ermutigend und manchmal frustrierend sein, aber es wird immer ehrlich sein. Und nur wenn wir hinsehen, uns ansehen, können
wir begreifen und uns von dort aus verändern.

NORDLABOR
Wild experimentieren. Dem Unvollständigen, dem Anderen eine Bühne geben. Neben klassischen Inszenierungen, akribischer Laborarbeit und kalkulierten Schnellschüssen ist alles möglich. Ein Frei-Raum, ein lebendiger Ort, der zum Sehen, Hören, Tanzen, zum Erleben, Gestalten und Begegnen einlädt. Ein Ort der Begegnung und des Miteinanders.

PLAN P
Umfassendes Profiling mit Standortbestimmung, Eignungsanalyse und Ausstiegscheck. Prozessorientierte Beratung, die ressourcen- und lösungsorientiert auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten. Förderung und Ausbau von Fähigkeiten und Stärken und Entwicklung von Selbstvertrauen
und Selbstsicherheit. Insgesamt gilt es, Chancengleichheit zu verbessern, Handlungsfähigkeit zu stärken, Partizipation zu ermöglichen und Selbsthilfepotenziale zu
fördern und auszubauen.

PULSE OF EUROPE
Die Europäische Union war und ist in erster Linie ein Bündnis zur Sicherung des Friedens. Wer in Frieden leben will, muss sich für Europa stark machen. Jede und jeder ist für das Scheitern oder das Gelingen unserer Zukunft verantwortlich. Niemand kann sich herausreden. Zu hoffen, es werde schon alles gut gehen, ist brandgefährlich. Die europäische Idee muss wieder verständlicher und bürgernäher werden. Sie muss von unten nach oben getragen werden. Europa soll wieder Freude bereiten. Vielfalt und Gemeinsamkeit sind kein Widerspruch, und niemand muss sich zwischen regionaler, nationaler und europäischer Identität entscheiden. Wir müssen lauter werden, um uns Gehör zu verschaffen und mit unseren Überzeugungen durchzudringen. Wir wollen die schweigende
Mehrheit aufrütteln.

STADTISTEN
Gemeinsam Lösungen finden, für die Fragen und Probleme, die die Stadt und das Gemeinwesen betreffen. Engagement als politisches Handeln betrachten. Stadtpolitik ist mehr als das, was sich zwischen Fraktionen und Parteien aushandeln lässt. Wir wollen einen neuen politischen Stil und neue politische Ausdrucksformen ins Spiel bringen. Politik braucht Mitgefühl, soziale Wärme und Solidarität. Gelebter Pluralismus bedeutet, die Vielfalt der Meinungen zu akzeptieren. Der Wettbewerb der Ideen ist für eine Demokratie unverzichtbar. Das erfordert Toleranz und eine gesunde Streitkultur.

START WITH A FRIEND
Jede*r Geflüchtete hat mindestens einen Local als Freund*in. Jeder Local hat mindestens eine*n Geflüchtete*n als Freund*in. Jede*r kommt irgendwo her und flieht vor irgendetwas. Wir betrachten Individuen und keine Gruppen. Wir schaffen Orte, wo sich Wege kreuzen.

TACHELES TARANTISMUS
Experimentell, metaphorisch, modern, unabhängig. Symbiose von zeitgenössischer Ästhetik und traditionellem Theater. In Vergessenheit geratene Literatur, insbesondere die der frühen Moderne, auf die Bühne bringen und das künstlerische Erbe der Literaten und Dramatiker bewahren, sowie dieses kontemporär
aufbereiten. Gattungsgrenzen der künstlerischen Richtungen aufheben. Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Tanz, Musik und cineastische Elemente vereinen.

THEATER PREKARIAT
Wir begreifen Raum nicht als etwas Statisches. Raum wird ständig neu ausgehandelt durch die Verhältnismäßigkeit der mit und in ihm agierenden Menschen. Wir wollen subjektive, im Raum-Objekt eingespeicherte Handlungen und Narrationen freilegen. Aktionen, Erzählungen, Bilder, Objekte, Videos werden entlang der  Bruchlinie von Dokumentation und Fiktion installiert und inszeniert. Künstler und Akteure unterschiedlicher Herkunft entwickeln zusammen Bildende Kunst, Theater, traditionelle Literatur, eigene Texte, klassische Handlungsdramaturgie und performative Praxis.

ZIRKUS MUTTER ERDE E.V.
Eine positiv-optimistische und freudige Grundstimmung in die Welt tragen. Nachhaltige Ideen voranbringen und konkrete Impulse setzen, lösungsorientierte Alternativen statt der Mahnung mit dem Zeigefinger. Mehr Bewusstsein für die Sinnhaftigkeit eines respektvollen Umgangs mit Mensch und Umwelt. Revolution der Gedanken, durch eine veränderte innere Haltung zu einer kontinuierlichen Veränderung hin zu einer gerechteren Welt. Toleranz, Gerechtigkeit und Fairness im sozialen Miteinander, Dinge mit Leichtigkeit, Euphorie und gegenseitigem Vertrauen angehen.


Nächster Termin der Reihe Schauspiel× Die Offene Gesellschaft:

am 17. Juli im Foyer Schauspielhaus: Kommunikation in Zeiten von Hate Speech und Fake News

Das Schauspiel Stuttgart zeigt unter der Leitung von Armin Petras zeitgenössisches Theater im Kleinen Haus am Schloßgarten. Den Spielplan des Theaters und des Kammertheaters bestimmen, neben einem spielfreudigen Ensemble und modernen Interpretationen klassischer Dramatik, ein Austausch verschiedenster Kunstformen und eine Auseinandersetzung mit der Stadt und der Region Stuttgart sowie die Zusammenarbeit mit bekannten Regisseuren. Die Spielstätte Nord ist eine Plattform für neue Texte, Autoren und Formate.

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