Gebloggt

Gebloggt #22: Überzeugungen

Was wären wir nur ohne unsere unzähligen Überzeugungen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber was passieren kann, wenn eine einzige bestimmte Überzeugung alle anderen Überzeugungen dominiert, zeigte sich am 16.04.2015 im Schauspiel Nord. Studierende des dritten Jahrgangs der Hochschule für Darstellende Kunst Stuttgart spielten das Stück Dysmorphomanie von Vladimir Sorokin.

Ja, eigentlich ging es um Überzeugung und Gerätschaften, und was die Hoffnung war, das Problem eines Tages wieder los zu werden.

Therapie erfolgte in Form von Spiel. So warfen sich die Darsteller schon bald in Barocke Kleidung und spielten Szenen aus Shakespeare Stücken wie Hamlet oder Romeo und Julia.

Das ganze Stück schien zwar schon grotesk angelegt zu sein, jedoch schwächten diese Spielereien die beinhaltete Tragik noch ein wenig ab und führten die Thematik in eine unterhaltsame Leichtigkeit.

Letztlich wandelte sich das Motto des Stückes beziehungsweise der Therapie dann doch wieder in ein „nicht verstellen, sondern enthüllen.“ Und so fand sich die Darstellerin Mattea Cavic, die zuvor noch die Rolle des kauzigen, verbeulte Entertainers hatte, in einem Berührenden Monolog alleine im Scheinwerferlicht wieder. Kindheitserinnerungen wurden in diesem ausführlich preisgegeben und eigentlich schien sie nichts anderes zu tun als zu erzählen. Neutral und unauffällig in weißer Hose und T-Shirt gekleidet, in der immer selben Haltung vor dem Publikum stehend. Eine kleine Bewegung mit der linken Hand, die naiv lächelnd aber dennoch verzweifelt wirkende Mimik ihres Gesichts und ihre vorsichtige Erzählweise katapultierte das Publikum letztlich aber doch wieder in die Tragik. Denn „wie die Pest ist das Theater eine Krise, die mit dem Tod oder der Heilung endet.“ Das Ende des Stückes ließ diese Behauptung jedoch weitest gehend unbeantwortet, sondern zeigte in einer ausgedehnten Szene die Patienten dabei, die verschiedensten Deformationen durch eine schmierige, grünliche Masse an ihrem Gesicht vorzunehmen, um es letztlich in einer gefühlt noch ausgedehnteren Waschprozedur mit jeweils einer Waschschüssel voll klarem Wasser, wieder zu bereinigen.

Lohnenswert ist ein Besuch des Stückes in jedem Fall. Allem voran deshalb, weil das Spiel der Darsteller durch eine spürbare, junge Leidenschaft sehr überzeugend war.


Dysmorphomanie
von Vladimir Sorokin
Regie: Wolfgang Michalek
Mit: Mattea Cavic*, Ognjen Koldzic*, Simon Mazouri*, Viktoria Mikhnevich*, Mark Ortel*, Franziska Maria Pößl*, Vera Maria Schmidt* (*Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart)

Eine Koproduktion mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

Im Juli wieder im Spielplan!

Weitere Informationen und Karten …hier

Foto: Julian Marbach

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