Das glaubst du ja wohl selber nicht!

6 abschließende Gedanken zu Das glaubst du ja wohl selber nicht!

Am Wochenende ging nach 10 Abenden voller Musik, Tanz und Theater das Nordlabor 2 Das glaubst du ja wohl selber nicht! zu Ende. Zeit, sich ein paar abschließende Gedanken zu machen.

1. Ein Merkmal von Schorsch Kameruns Theaterinszenierung sind die skurrilen Figuren. Im Nord sind diese nach und nach immer mehr und immer verrückter geworden. Am Anfang gab es „nur“ eine wandelnde Agave, eine lebensgroße Wasserpfeife und ein leuchtendes Martiniglas. Nun am letzten Abend kommen noch ein Imker mit Räucherstäbchen dazu, ein Tanzmariechen, welches die Wände vollkritzelt und Matti Krause im wohl verrücktesten Kostüm des Abends. Auf seinem Kopf, ein Fahrradhelm mit Antenne, dazu ein 80er Jahre Mickey Maus Hemd und eine Pluderhose im Stil des 16. Jahrhunderts.

2. Obwohl vieles gleich bleibt, entdeckt man jeden Abend etwas Neues, etwas Besonderes. Bei jeder Vorstellung wurde ein anderer Autor der Beat Generation behandelt, es gab die verschiedensten Interviewpartner beim Freien Radio Stuttgart, vom Sänger der Punkband Die Nerven bis hin zur Intendantin vom Theater Rampe. Oft liegt der Unterschied auch im Detail, fast jedes Mal ist in den Glasvitrinen etwas anderes ausgestellt, ob es nun afrikanische Trommeln oder funkelnder Glitzerschmuck ist.

3. Der rote Faden aller Abende besteht sicher aus den Texten der Autoren der 60er Jahre. Schriftsteller, wie Bukowski oder Fauser, die früher damit großes Aufsehen erregten und provozierten, die aber heute kaum noch skandalös sind. Man kann es auch mit Schorsch Kameruns Worten sagen: Den Bukowski- Moment gibt es nicht mehr.

4. Für alle die eigentlich kein Theater mögen, sind Inszenierungen von Schorsch Kamerun die perfekte Lösung. Alles was man normalerweise im Theater nicht machen darf, ist hier erlaubt. Trinken, reden, lachen, fotografieren. Ein Anti-Theater im Theater.

5.  Hier passiert einfach alles auf einmal. Überforderung und Reizüberflutung sind wohl die ersten Assoziationen die man hat. Während man eigentlich den Worten des lesenden Autors lauschen will, wird über eine große Leinwand das Konzert vom Foyer in den großen Saal übertragen und neben einem läuft ein großer Kaktus vorbei. Manches ist auch nicht ganz greifbar, eben unfassbar, wie der letzte Abend passenderweise hieß.

6.  Wenn man die Inszenierung besucht, merkt man auch die persönliche Note, die allgemein in dieser musiktheatralen Versuchsreihe steckt. Durch die besondere Herangehensweise von Schorsch Kamerun, der sehr viel aus Gesprächen und Begegnungen heraus entwickelt, entsteht dieses ganz eigene Gefühl, Teil eines besonderen Abends gewesen zu sein. Um es mit den Worten von Peter Stamm zu sagen: Ein Theaterstück ist nicht ein Stück Theater, sondern ein Stück Leben. In diesem Fall ein Stück Leben von Schorsch Kamerun.


Nordlabor 2
Das glaubst du ja wohl selber nicht!
Musiktheatrale Versuchsreihe von und mit Schorsch Kamerun

Vom 6. Mai bis 4. Juni 2016 im Nord
Weitere Informationen …hier

Foto: Liliana Reinöhl

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