Dieses Mal dreht sich also alles um das Dilettantische. Ein wenig chaotisch wirkt das Ganze schon. Überall wuseln Leute hin und her. Schauspieler, Statisten oder sind es doch Zuschauer, sicher ist man sich hier nicht.
Die grobe Kulisse ist die gleich wie beim letzten Mal, aber die Veränderungen liegen im Detail. Heute gibt es eine Partyhotline, wie uns Thomas Sehl vom Abenddienst verkündet, falls wir Fragen hätten oder falls wir irgendwo verloren gehen würden. Außerdem gibt es eine Fotoecke, come in and smile, steht dort geschrieben, wobei das smile wieder durchgestrichen wurde. Trotzdem hat das Publikum gute Laune, das Lachen lässt man sich so leicht nicht verbieten. Auch wenn wir wieder mit einem Überwachungssystem beobachtet werden, das man auch in einem weitaus größeren Gebäude vermuteten könnte.
Das kleine Konzert von Schorsch Kamerun dreht sich dieses Mal nicht um den Computer, sondern um einen klugen Mercedes, der die coolsten Locations kennt. Vermutlich eine Anspielung auf ein Zitat in seinem Buch, wo von einer TV- Werbung erzählt wird, in der ein berühmter Rennfahrer in einer unbekannten Stadt, von seinem neuen Auto zu den angesagten Undergroundlocations gebracht wird. Früher hätte man ihm dort wohl die Scheiben eingeschlagen, Aber früher war eben auch nicht alles besser.
In einer Glasbox wird eine Frau durch den Saal geschoben, die lauthals schreit: verlasst Stuttgart, bevor die Atombombe kommt. Wir sind geblieben, die Atombombe hat auf sich warten lassen. Stattdessen entdecken wir weitere unbekannte Dinge. Die Tanzgruppe, in ihren psychodelischen Kostümen, halten in ihren Händen Toast, und führen damit diverse Verrenkungen durch.
Dieses Mal ist im Interview mit dem Freien Radio Stuttgart Julian Knoth von Die Nerven. Gesprochen wird passenderweise zum Thema über die Genialen Dilletanten. Ursprünglich der absichtlich falsch geschriebene Name eines Konzerts, welcher schnell zum Synonym einer ganzen Bewegung des künstlerischen Aufbruchs wurde. Bands, wie die Einstürzenden Neubauten gelangten dadurch an Popularität, aber eben auch Schorsch Kameruns Band Die goldenen Zitronen.
Wie in den Abenden zuvor passiert hier wieder alles auf einmal, so dass man sich auch einfach einmal kurz hinsetzten muss, um das alles hier zu reflektieren. Möglich ist das auf all den Gartenstühlen, die wild verteilt im Raum stehen. Oder man setzt sich auf den großen orangefarbenen Berg und fährt munter mit ihm im Kreis. Zeit ein bisschen herum zu spinnen. Meine Begleitung und ich fragen uns, was passieren würde, wenn man sich einfach oben auf den Berg stellt, sich auf die Brust trommelt und schreit: Ich bin King Kong!
Wir haben es nicht ausprobiert. Doch wie hätten die Zuschauer reagiert? Vermutlich mit einem Lächeln, bei all dem Wahnsinn, der hier passiert, hätte wahrscheinlich niemand an die verrückten Gedanken von uns gedacht.

Zum Ende, nach dem obligatorischen Verriss eines Autors durch die Klagenfurtjury, meldet sich nun auch Schorsch Kamerun zu Wort. Er entschuldigt sich erstmal dafür, wie wenig dilettantisch der Abend doch eigentlich war und ernennt dann ganz zum Schluss den Mitarbeiter des Tages: Die Agave.


Nordlabor 2
Das glaubst du ja wohl selber nicht!
Musiktheatrale Versuchsreihe von und mit Schorsch Kamerun

Vom 6. Mai bis 4. Juni 2016 im Nord
Weitere Informationen …hier

Foto: Liliana Reinöhl

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