Abschied von gestern Gebloggt

Gebloggt #12: Wer ist dieser Manuel Harder?

Meine Damen und Herren
Er wird Ihnen alles erzählen
Dieser Manuel Harder hier

Wenn man in den Saal kommt ist er schon da – Manuel Harder. Es geht um ihn, nur um ihn. Das lässt er einen auch gleich zu Beginn wissen. Eine One-Man-Show. Er steht allein auf der Bühne, zwischen einem pinken Plastikflamingo und einer Statue einer sitzenden Raubkatze. Vor ihm steht in großen Pappversalien sein Name. Manuel Harder.  Als er anfängt zu sprechen, ist man sich nicht ganz sicher, ob er nun einen Dialog oder einen Monolog spricht. Er spricht gemischt, mal von einem Ich, mal von einem Du. Ein Selbstgespräch, als ob es ihn zweimal geben würde. Er spricht mit seinem zweiten Ich so deutlich, dass man sich fast nach einer anderen Person um drehen möchte. Er streitet mit seinem anderen Manuel, wie ein altes Ehepaar. Er spricht mit dem Autor, mit dem Regisseur und mit dem Publikum, aber am Ende spricht er doch nur mit sich selbst.

Sein Herz zu verlieren
Es herzugeben
Auch unfreiwillig
Seines Herzens beraubt zu werden
Womöglich unter Einsatz von Gewalt
Das ist die Sprache der Liebe

Tiefe findet die Inszenierung in den ruhigen Momenten, zum Beispiel als Manuel Harder eine Geschichte erzählt. Was passiert, wenn ein Mensch, seinen Namen in das Herz eines anderen ritzt. Das man diesen Namen nie mehr los bekommt. Das jeder, der einem nahe kommt, diesen Namen sehen wird. Narbennamen. Jede weitere Person kann seinen Namen natürlich darunter oder daneben setzten, sie wird aber nie diesen einen Namen ersetzen können und irgendwann ist das Herz voll. Lauter Narbennamen und für einen weiteren ist kein Platz. Dann hört man auf zu lieben. Er spricht von den verschiedenen Arten von Narbennamen. Zum einen die raumergreifenden Eifersüchtigen, die, die keinen anderen neben sich dulden. Zum anderen die kleinen Naiven, die vergessen werden wollen. Doch die Seele vergisst nicht.

Wir alle sind Diebe und Streber
Langweiler und Blender
Wir fischen im Trüben und treten im Schlaf

Zwischen den ganzen Reflexionsgesprächen erzählt Manuel Harder aus seinem Leben. Geschichten von früher, wie er seinen Lebensunterhalt im Callcenter verdienen muss, um seine Familie zu ernähren. Teilweise ist man sich nicht ganz sicher, ob wirklich alles der Realität entspricht. Als er nun davon erzählt, dass er abends Zigaretten holen geht und danach einfach in die andere Richtung läuft und nicht mehr zurück kehrt, klingt das schon sehr klischeehaft. Doch wer weiß, vielleicht ist das Leben des Manuel Harder wirklich so?

Du hattest noch nie ein Problem mit der Lächerlichkeit
Warum auch
Ist ja alles immer nur Theater

Während des Stückes beginnt er die Bühne umzubauen, er holt neue Lampen, eine Leinwand und Farbe. Die großen Pappversalien werden mit großem Schwung von der Bühne gefegt. Die Hüllen fallen, bis auf die Unterhose, Manuel Harder öffnet den Farbeimer und schreibt schwungvoll das Wort KUNST auf die Leinwand und unten drunter einen Umriss seines Körpers. Wie als ob er sich selbst bestrafen will, kippt er nun die schwarze Farbe, über seinen Kopf und wirft einen Haufen Federn hinterher. Voller Wut will er sich sein Herz aus der Brust reißen um am Ende doch nur zu resignieren. Zum Schluss singt ein im Publikum versteckter Chor leise „Wenn ich einmal soll scheiden“ von Johann Sebastian Bach und ganz langsam geht das Licht aus.

Ich hätte es besser wissen sollen
Aber einen Moment lang gabst du mir tatsächlich dieses Gefühl
Ich sei angekommen
Ich wurde empfangen
Herzlich Willkommen hast du mir ins Ohr gehaucht
Wie anmaßend von mir
Diese Empfindung
Mitzuleben
Alles nur ein Missverständnis


Nordlabor 1 – Abschied von gestern
Die Anmaßung

von Carsten Brandau

Regie: Florian von Hoermann
Bühne: Julian Marbach
Kostüme: Cinzia Fossati
Chorleitung: Wilhelm Bäuml
Dramaturgie: Katrin Spira
Mit: Manuel Harder, Egon Bässler, Christiane Burgmann, Hilmar Friedel, Daniela Krol-Zenkowitz, Annette Kuppler, Iska Leibßle, Roland Möll, Edmund Ortwein, Ingrid Schönleber, Eugen Völlm, Regina Weber und Detlev Wolf.

Karten und weitere Informationen hier

Foto: Julian Marbach

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