Gebloggt

Gebloggt #9: „Das kalte Herz“ nach der Erzählung von Wilhelm Hauff

Huch, was war das denn? Die Schwarzwälder wissen wohl wie man richtig einen drauf macht. Die Gäste im Publikum wurden gleich zum Mitmachen animiert und teilweise auf die Bühne gezogen und am Ende war dann die ganze Bühne voll von tanzenden und lachenden Menschen. Das war schon unterhaltsam. Vorne hampelte währenddessen der Bösewicht namens Holländer-Michel (Wolfgang Michalek) herum, seiner Rolle als Mafiaboss-artigen Manipulator von vorne bis hinten getreu. Ohne ihn wäre die Szene vermutlich auch zu ‚Fasching im Januar-mäßig‘ geworden, da war sein Zynismus der Möglichkeit alles als lächerlich zu betrachten an der richtigen Stelle eingesetzt.

Das kalte Herz von Wilhelm Hauff gilt als Märchen und Märchenstimmung gab es wirklich das ein oder andere Mal. Wobei ich zugeben muss, dass die Bilder im Hintergrund von einem düsteren Wald und teils von der Decke fallende Schneeflocken mehr dazu beigetragen haben, als etwa die Tanzeinlagen vom Glasmännlein und dessen Tanzcombo, die irgendwas mit Moderndance Einlagen darzustellen versuchten.

Beeindruckend gespielt war die Entwicklung von Peter (Johann Jürgens). Vom träumenden, verletzlichen, naiven Muttersöhnchen zum kaltblütigen, geldgierigen Psychopathen, der überredet wurde sein Herz gegen einen Stein einzutauschen, um letztlich dann mit einem Mercedes-Fahrrad über die Bühne zu heizen, eine schleimige Frisur zu tragen, die Bettler vor seinem Haus zu verjagen und sogar seine Frau Lisbeth (Caroline Junghanns) blutig zu schlagen. Die Argumentation vom Holländer-Michel konnte man vor den Resultaten eines fehlenden Herzens fast noch nachvollziehen: Die Herzensqualen der Ehre, Liebe und Treue hinderten den Peter doch nur daran vernünftig zu sein. Trotz des später fehlenden Herzens schaffte er es durch eben diese einseitig gewordene „Vernunft“ doch noch einzusehen, dass das nicht alles sein konnte, also Geld und Macht.

Schade war es, dass Dramatik scheinbar immer mit so viel Geschrei einhergehen muss, das hat meines Erachtens nach den Bogen der Tragik immer ein wenig überspannt. Wohingegen das klassisch märchenhafte Ende der Geschichte (Peter zeigt Reue und kann sich vom Deal mit dem Holländer-Michel durch eine List befreien und wird vom Glasmännlein wieder mit Mutter (Rahel Ohm) und Lisbeth zusammengebracht) zum Glück gut gelöst wurde. Lediglich ein projiziertes Bild und akustische Einspieler aus Film oder Hörspiel waren noch wahrzunehmen. Diese erzählten das Ende auf eine groteske, zugleich aber sympathische Art und die Schauspieler blieben der Bühne fern. Nur ein trotziger Holländer-Michel stiefelte noch über die Bühne und schnitt seine Grimassen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.


Das kalte Herz
nach der Erzählung von Wilhelm Hauff
Regie: Armin Petras
Mit: Johann Jürgens, Rahel Ohm, Caroline Junghanns, Wolfgang Michalek, Christian Schneeweiß, Berit Jentzsch, Manja Kuhl, Miles Perkin, Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Volkstanzgruppe Frommern Schwäbischer Albverein

Weitere Informationen und Karten hier

Fotos: JU_OSTKREUZ

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