Gebloggt

Gebloggt #4: zeit zu fragen

Worum geht es?

Es geht um Erinnerungen und wie man mit Ihnen umgeht. Es geht um die Jugend, das Heranwachsen, die Tücken des Lebens und irgendwo dazwischen um ein sozialistisches Regime, das nur sanft hindurchschimmert.

Was macht die Band da eigentlich und warum gab es in meinem jugendlichen Leben keine Live-Band, die mich begleitet hat?

Sie bildet einen wunderbaren Kontrapunkt zu den aufbrausenden Szenen. Immer, wenn man gerade denkt: „Jetzt schaffe ich es nicht mehr, jetzt komme ich nicht mehr mit. Wer hat jetzt nochmal mit wem geschlafen?“. Genau dann ertönt die beeindruckende Engelsstimme von Lisa Marie Neumann und die Instrumente ihrer vier Begleiter und man kann sich für einen Moment zurücklehnen und in eigenen Erinnerungen schwelgen, ohne dabei zu sentimental zu werden. Und in der Erinnerung taucht dann vielleicht doch auch in der eigenen Jugend eine Live-Band auf.

Welcher Teil ist der schönste?

Gerade bei diesem Stück würde ich sagen: das kommt drauf an. Der eine schwelgt lieber in Jugenderinnerungen, der andere lieber in Familiengeschichten und ein wieder anderer erinnert sich lieber schwermütig an all das, was nicht so gelaufen ist, wie man es sich gewünscht hatte. Betrachtet man die Gesamtkomposition, werden wohl die meisten Zuschauer besonders die Jugenderzählung mit all ihren leidenschaftlichen, fast schon Sturm und Drang ähnlichen Figuren lieben, die fest davon überzeugt sind, dass ihr Leben einmal besser sein wird, als das ihrer Eltern. Außerdem wird in diesem Teil besonders ausgiebig musiziert, was den ein oder anderen Fuß zum mitwippen animieren kann.

Kann man sich an seiner Liebe festhalten?

So jedenfalls nicht. Liebe wird im Stück oft mit Körperlichkeit und Schönheit gleichgesetzt. Väter hauen ab, Onkel werden neue Partner und Klassenkameradinnen werden zu Trophäen. Festhalten will und kann sich hier niemand. Vielleicht, weil sie sich alle so sehr danach sehnen, endlich loszulassen und abzuhauen.

Wer hatte das beste Outfit?

Johann Jürgens alias Ralf, als er nur mit roter Unterhose bekleidet auf seine Freundin wartet. (Um mal beim Thema Körperlichkeit zu bleiben.)

Wie lebe ich und warum?

Solch einen Aufsatz zu schreiben gleicht einer Lebensaufgabe oder gar einer Jahrtausendaufgabe. Vielleicht sollte man doch einfach Onkel Breuers mahnendem Hinweis nachgehen: „Du musst einverstanden sein mit der Welt, in der du lebst, sonst ist die Welt mit dir nicht einverstanden. Es bringt nichts, den Helden zu spielen.“ Vielleicht ist das Leben nicht so „hart“ (wie Peter immer wieder behauptet), wenn man das Leben einfach Leben sein lässt und sich mit den Begebenheiten zufrieden gibt. Doch wo ist dann der Punkt erreicht, an dem es sich vielleicht doch lohnt, etwas zu ändern und den Helden zu spielen? Vielleicht sollte die Frage also lauten: „Wie lebe ich und wann ist der Punkt erreicht, an dem ich etwas daran ändern sollte?“.

Welcher Schauspieler gefällt am besten?

Wer bei Peters (Peter Jordan) schwunghaftem Schlendern und gleichzeitigem Rauchen nicht in Bewunderung verfällt, der sollte das Stück am besten in der nicht vorhanden Pause verlassen.

Wie schmecken Oliven?

Das zu beschreiben ist schwer, aber nun endlich möglich: Die Konsistenz ist kirschähnlich und der Geschmack erinnert an altes Fischöl. Klingt nicht besonders verlockend, finde ich. Die Sehnsucht der Jugendlichen danach schien jedoch groß.

Kennst du das noch?

© Thegreenj - Eigenes Werk.
© Thegreenj – Eigenes Werk.

Puh. Da muss ich mich wirklich sehr anstrengen. Sieht irgendwie nach einem Magnetband aus. Vielleicht eine Diskette? Nein, Kassette? Vielleicht ein Analogfilm? Heißt das so? Vielleicht sollten wir öfter auch in fremden oder längst vergessenen Erinnerungen schwelgen.

 

 

Welcher Gedanke hallt nach?

„Nicht schlendern Peter, Ihr müsst das alles mal besser machen, was wir versaut haben“ (Hagen zu Peter)

Ja müssen wir das wirklich? Müssen wir all das, was die vor uns nicht hinbekommen haben wirklich besser machen? Oder haben wir nicht auch das Recht, dieselben Fehler zu machen? Oder gar das Recht, die Dinge einfach so zu belassen wie sie sind?


zeit zu lieben zeit zu sterben
von Fritz Kater
Regie: Antú Romero Nunes
Mit: Susanne Böwe, Christian Czeremnych, Julischka Eichel, Peter Jordan, Johann Jürgens, Robert Kuchenbuch, Svenja Liesau, Andreas Leupold, Konrad Hinsken, Wolfgang Morenz, Lukas Müller, Lisa Marie Neumann, Johann Seifert

Weitere Informationen und Karten hier

Foto: Bettina Stöß

Früher Elektrotechnik-Bachelorette in Stuttgart und nun auf Wahlheimatssuche in Hannover, um die Kunst der Medizin und des glasklaren Hochdeutschen zu erlernen. Eigene schauspielerische und andere theaternahe Tätigkeiten führten zur Erkenntnis, dieses Business lieber echten Profis zu überlassen. Nun also Freizeit-Bloggerin, neugierige Zuschauerin und laienhafte Bewunderin der Kunst „Theater“.

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