Gebloggt

Gebloggt #3: 8 Fragen zu Der Sturm

Ich kannte das Stück vorher nicht, zum Glück, sonst wäre ich jetzt nicht in der Lage meinen persönlich, empfundenen Eindruck möglichst unvoreingenommen zu schildern. Ich musste es sehen, wie es war, ein Spiel. Ein facettenreiches und manchmal etwas konfuses Spiel, gezaubert von den Menschen verstoßenen und enttäuschten Prospero, der sich womöglich eine Welt erschaffen wollte, wie er sich sie idealerweise vorstellte. Doch obwohl oder gerade weil er die Menschen in einen Schlaf zauberte, um sie zu beherrschen, kamen Teile ihrer menschlichen Seiten zum Vorschein. Trieb, Mord und Versklavung, aber die Liebe fehlte trotzdem nicht. Und Prosperos Entwicklung schien mir ganz deutlich gewesen zu sein; vom hasserfüllten, verzweifelten, rachsüchtigen Bösewicht zum verzeihenden, annehmenden, beinahe schon gleichmütig und hoffnungsvollen Menschen, der aber letztendlich doch in Einsamkeit zurückgelassen wurde…

Lieblingszitat?

„Wir sind vom Stoff, aus dem die Träume sind; und unser kleines Leben beginnt und schließt ein Schlaf.“ – Prospero

Der tragischste Moment und die besten Darsteller?

Als ich bemerkte, dass mir erst wohl wurde beim Zuschauen, als die Menschen auf der Insel ankamen, was vielleicht heißen mag, dass das Spiel vom mir sehr befremdlich empfundenen Zauberer und Herrscher Prospero (Manuel Harder) und vom Hinkebein-Sabber- Caliban (Sandra Gerling) zumindest zu Anfang sehr überzeugend auf mich gewirkt hat. (Ich hatte wirklich ein bisschen Angst!)

Die beeindruckendste Szene?

Tatsächlich die Szene, bei der viel mit Video, lautem Techno und allerlei Bildern gearbeitet wurde. Eine Form, um in etwa zehn Minuten einen Lebenslauf in der verstreichenden Zeit abzuzeichnen. Nicht nur denjenigen von Miranda (Julischka Eichel), Ferdinand (Manolo Bertling) und ihrem Strohkind, die ihre Entwicklung von der Hochzeit bis zu ihrem Tod auf der sich drehenden Bühne darstellten, sondern auch Ausschnitte desjenigen Lebens, was sich auf dem Rest der Welt zeitgleich abspielen kann.

Der witzigste Moment?

Witzig ist vielleicht das falsche Wort, aber auf eine Art doch ganz treffend, weil der Kontrast es machte. Als die Menschen die Schönheit der Gesänge der Natur auf der Insel erkennen und trotzdem, unter Glitzerregen und behaglichem Sound, die Schönheit auszubeuten beginnen, wahrscheinlich aufgrund ihrer Herrschsucht.

Der romantischste Moment?

Als Prospero, zwar mit heftigem Widerwillen in der Stimme und Sprache, seine Tochter dann doch los lässt und der Vermählung zwischen ihr und Ferdinand zustimmt.

Das habe ich nicht verstanden?

Viel wahrscheinlich, aber am wenigsten die vielen Buh-Rufe. Kein Applaus oder eben Applaus ist meiner Meinung nach Kritik genug.

Frage an den Dramaturgen/Regisseur:

Was hatte der Blumen-Ast zu bedeuten, den Miranda und Ferdinand immer bei sich hatten? – Ist doch ein hübsches Requisit für einen jungen Mann in der Blüte seiner Jahre und für eine Liebe, die zu sprießen beginnt. Oder? (Bernd Isele, Dramaturg)

Warum musste das sein, dass Caliban kurzzeitig zum Regisseur wurde? Provozieren des Publikums oder sollte es einfach witzig sein?! Hab ich nicht kapiert. – Das Stück „Der Sturm“ ist vor über 400 Jahren entstanden. Wenn die Geschichte dieser Jahrhunderte nicht von Europäern geschrieben worden wäre, sähe die Welt heute sicher anders aus. Caliban versucht, zum Regisseur des Abends zu werden – aber er kann es nicht. Am Ende bleiben nur Ruinen. (Bernd Isele, Dramaturg)

Was ich noch sagen wollte:

“Adele […] Erst die Rechte, dann die Linke. Beide machen winke, winke. ”  – Ariel (Paul Grill)


Der Sturm
von William Shakespeare
Regie: Armin Petras
Mit: Robert Kuchenbuch, Manja Kuhl, Manuel Harder, Abak Safaei-Rad, Manolo Bertling, Thomas Halle, Sandra Gerling, Horst Kotterba, Peter René Lüdicke, Julischka Eichel, Paul Grill, Stitch

Weitere Informationen  und Karten hier

Foto: JU_OSTKREUZ

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