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Gebloggt #2: Eindrücklich – 10 Gedanken zur Premiere von Der Sturm

  • Am Anfang stellt sich Prospero selbst und seine Hintergrundgeschichte vor. Manuel Harder sieht mich an, macht immer wieder Pausen. Es kommt mir vor als würde er den Text in meinen Augen ablesen. Düsterer Beginn.
  • Auftritt Thomas Hermanns, ähh ich meine Ariel. Der Quatsch-Comedy-Club scheint eröffnet. Kontrastierter könnten Tragik und Komödie nicht sein. Meine Sitznachbarn schütteln den Kopf.
  • Zum zweiten Mal fühle ich mich beobachtet. Diesmal von einem der ‚Eingeborenen‘, die da so unbeteiligt am Rand stehen. Die Einzige der Holzstatuen, der tatsächlich eine gewisse Art Augenlöcher geschnitzt wurden, starrt in meine Richtung. Und ich natürlich immer wieder zurück. Szenenwechsel, das Gesicht verschwindet im Schatten und ich kann mich wieder dem Stück widmen.
  • Verlieben sich da gerade zwei junge Menschen nach dem Vorbild Romeo und Julia oder bin ich bei der Mittagsfütterung im Zoo gelandet? Für die Lacher kann ich jedenfalls nichts, die kommen gerade irgendwie automatisch hoch.
  • Schrille Musik, zwei Männer älteren Alters (einer mit einem menschengroßen Sack Pfandflaschen) tanzen, während sie von einem Geist mit einem Wischmop nassgespritzt werden. Typische Shakespeare-Goa-Party eben. Mein Sitznachbar, dessen Grummeln ich die Worte „…Dummheit…“ und „…dass einem sowas einfällt…“ entnehme, teilt meinen Humor wohl nicht.
  • Juhu, Trinculo und Stephano wieder am Tanzen! Och nee, warum stellt ihr denen die Musik ab?! Ach ja, die beiden sind Mitglieder beim KKK. Das hatte ich natürlich kommen sehen!
  • Ich kann gar nicht hinschauen! Selbst wenn ich es könnte, wüsste ich nicht wohin? Schreibtisch links, auf dem sich Prospero und Caliban im Blut räkeln, Drehbühne in der Mitte, die immer neue Horror-Szenen aufzeigt oder Bildschirm rechts, auf dem die Kamera das blutige Räkeln in Nahaufnahme live überträgt. Reizüberflutung vom Feinsten.
  • Die „Ritter der Kokosnuss“ fordern ‚Regisseur‘ Caliban mächtig: „Es reicht!“ – „Ja, mir auch!“ erwidert ein Zuschauer aus dem Publikum und fügt hinzu: „Weiter im Text!“ Sind das die anständigen Theaterbesucher in Anzug und Krawatte? Mir wird klar, dass ich das erste Mal bei einer Premiere bin.
  • Zum Schluss spitzt sich die Lage für die Schauspieler zu, vor allem für Julischka Eichel. Muss die arme Miranda doch am Ende alle kalten Eisstatuen alleine tragen. Und das ohne Handschuhe oder lange Ärmel. Mir fröstelt schon beim Hinschauen. Kein Wunder lässt sie die Teile fallen und wärmt sich am schönen Ferdinand.
  • Als Armin Petras die Bühne betritt, ist das Publikum gespalten. Buhrufe und Jubeln vermischen sich zu einem seltsamen Duett. So ein Duell, ähm wie gesagt Duett, liefere ich mir auch mit bereits erwähntem Sitznachbar und das mit Erfolg: Am Ende überwiegen, zumindest nach meinem Empfinden, die positiven Meinungen.

Über consti

...der zur Zeit Neuere Deutsche Literatur in Freiburg studiert - Mit seinem Interesse für Klassiker wie Kleist und Goethe in der Bahn schief angesehen wird - Es liebt zu schreiben, seine Stärke jedoch im Organisieren und Kritisieren sieht - Sich gern sportlich und musikalisch auslebt, aber ebenso Gefallen daran findet, acht Stunden in der Bibliothek dem Weltwissen zu frönen.

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