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Das Mädchen aus der Streichholzfabrik, Teil 3

Wir freuen uns auf „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“, Gastspiel des Schauspielhaus Bochum, am 19. und 20. Februar und 05. und 06. April zu Gast in Stuttgart.

Der nächste Teil unseres Gesprächs mit Maja Beckmann heute in im Gastspielcountdown!

Foto: Arno Declair
Foto: Arno Declair

Aki Kaurismäki: Tango: Der Tango ist eine finnische Erfindung, aber das weiß keiner. Seeleute haben ihn nach Argentinien exportiert. Einen finnischen Tango zu tanzen ist weniger Technik. Das ist Herz. Man tanzt Herz an Herz. (1996)

Was hält Iris in ihrer Welt?

Maja Beckmann: Ich fand es erstaunlich wie lange man Dinge aushalten kann, ohne zu reagieren oder ausbrechen zu wollen und dass man das in der Realität in ganz vielen Leben vorfindet. Iris empfindet keine Wut, keine Enttäuschung, kein Drama… ihr Leben ist einfach nur dieses Aushalten. Es gibt keine Ausschläge nach oben oder unten und das hat sie ein stückweit auch hingenommen. Ich wundere mich oft, dass man gar nicht merkt, wie man abstumpft, wie schnell Wünsche und Bedürfnisse auf einmal weg sind. Das ist das Fließband was läuft. Der Funke kommt dann in Form von Liebe.

Ein schönes Bild für das Mädchen aus der Streichholzfabrik.

Maja Beckmann: Ja, denn Iris versucht dem Fließbandleben zu entkommen, geht tanzen, immer und immer wieder und wird nie aufgefordert, aber auf einmal passiert es. Sie fühlt sich toll und plötzlich ist alles möglich. Sie wird mit dem Auto abgeholt, er kommt zu ihren Eltern, sie gehen essen, dann fahren sie zu ihm, sie wachen zusammen auf, ein Funke entzündet… das Leben.

Spielst du das Stück gerne?

Maja Beckmann: Sehr gerne, Bochum mochte es und ich hoffe die Stuttgarter auch. Die Leute kamen auf mich zu und sagten, das ist kein Drama, es ist nicht traurig, sondern zauberhaft. Es ist auch bereits mein zweites Stück von Kaurismäki: I Hired A Contract Killer lief in Bochum in der Regie Jorinde Dröse und das war sehr ähnlich, denn auch da ging die Hauptfigur sehr still durchs Leben. Man muss aber auch sagen, dass die Atmosphäre in Das Mädchen aus der Streichholzfabrik sehr viel wärmer ist, als im Film. Einfach weil ich eine andere Ausstrahlung habe und auf der Bühne auch anders gespielt wird. David Bösch ist nicht Kaurismäki, man nimmt ja vielmehr die Geschichte und kristallisiert das heraus, was für einen wichtig ist und so ist es ein Mix aus uns: Regie und Darsteller, Ausstatterin und Bühnenbildnerin. Ein wunderbarer Cocktail aus Geschichte, Film und Bühne.

Aki Kaurismäki: Inszenierung: Es gibt ein ehernes Gesetz bei meinen Filmen. Ich habe es, für alle verständlich in Englisch formuliert: „ I don’t want acting in my movies.“ Dabei sollen die Darsteller durchaus spielen, aber so, dass man es nicht sieht. Bisher haben sich auch alle danach gerichtet. Außer einem. Dem habe ich die Arme abgesägt. Es macht für einen Regisseur keinen Sinn, auf dem Set zu stehen, wenn ihm die Leute nicht gehorchen. Alle Gefühle, die ganze Professionalität eines Schauspielers lässt sich durch ein bloßes Hochziehen der Augenbraue ausdrücken, oder durch die Art, wie er sich setzt. ich will damit sagen, ich bitte meine Schauspieler, alles rauszuholen mit ihren Augen, dem Mund und der Nase, auch wenn es schwierig ist, mit der Nase zu spielen. (2003)

Zitate aus: Aki Kaurismäki, Herausgegeben von Ralph Eue, Linda Söffker, Maurice Lahde, Übersetzt von Ralph Eue, Katrin Fischer; Bertz + Fischer, 2006  erhältlich hier

Termine, Karten und weitere Infos hier

Das Schauspiel Stuttgart zeigt unter der Leitung von Armin Petras zeitgenössisches Theater im Kleinen Haus am Schloßgarten. Den Spielplan des Theaters und des Kammertheaters bestimmen, neben einem spielfreudigen Ensemble und modernen Interpretationen klassischer Dramatik, ein Austausch verschiedenster Kunstformen und eine Auseinandersetzung mit der Stadt und der Region Stuttgart sowie die Zusammenarbeit mit bekannten Regisseuren. Die Spielstätte Nord ist eine Plattform für neue Texte, Autoren und Formate.

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