Zu Gast

Das Mädchen aus der Streichholzfabrik, Teil 2

Wir freuen uns auf „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“, ein Gastspiel des Schauspielhaus Bochum, am 19. und 20. Februar und 05. und 06. April in Stuttgart.

Der Gastspielcountdown geht weiter mit einem kurzen Gespräch mit Maja Beckmann!

Aki Kaurismäki: Fabrik: Ich war viel frohgemuter, als ich in der Fabrik gearbeitet habe. Wirklich! Damals hat mich niemand gezwungen, in einem dämlichen Hotel rumzuhocken und an der Bar Disco-Musik zu ertragen. Natürlich ist es nett, mit Ihnen zu sprechen, … aber dieses Leben ist nichts für mich. In der Fabrik war ich mit meiner Arbeit um vier oder fünf Uhr nachmittags fertig. Manchmal auch erst um drei Uhr morgens. Aber das war schon OK. Die Arbeit war dann zu Ende, und ich konnte nachhause gehen – wenn ich ein Zuhause hatte (1993)

Liebe Maja Beckmann, wie habt ihr in Bochum das Stück für die Bühne adaptiert?

Maja Beckmann: Es war eine lange Suche des Teams, die Erzählweise auf die Bühne zu bringen. Wir mussten einen Weg finden, um beispielsweise Szenenwechsel, Schnitte nachzuempfinden und auch die Räume zu verändern. Mir persönlich war wichtig, dass ich gar nicht spreche und wenn ich mich der Sprache verweigere muss da etwas anderes sein, was der Film zum Beispiel nicht hat.

Das wäre?

Maja Beckmann: Der Film hat unglaubliche Bilder. Ewig lange Gänge, unendlich riesige Maschinen die einen Baumstamm in 20 Minuten zum Streichholz machen und Nahaufnahmen. Das haben wir auf der Bühne natürlich alles nicht. Wir haben dafür ein stummes Spiel gefunden, das den innerlichen Zustand erzählt, ohne dass eine Kamera ganz nah auf das Gesicht gerichtet ist. Außerdem gibt es bei uns eine Erzählerfigur, die es im Film nicht gibt und dadurch die Geschichte auf eine Art auch erzählt wird.

Was würdest du sagen, ist das Spezielle an Kaurismäki?

Maja Beckmann: Ganz besonders speziell bei ihm ist, dass es nie deutliche Aussagen gibt, man muss sich immer seinen Teil denken und ob das richtig ist, erfährt man nie. Außerdem stellt er oft Finnlands Arbeitermilieu dar und er ist ein Freund der wenigen Worte.

Worin liegt das Besondere in der Geschichte?

Maja Beckmann: Es hat etwas zauberhaftes, nichts Trauriges, auch wenn die Geschichte erst einmal so klingt. Der Zauber liegt darin, dass da Dinge passieren die Iris ganz unglaublich glücklich machen. Und auch wenn sie ihr wieder genommen werden, reicht es, dass sie passieren.

Aki Kaurismäki: Herz: Wenn die traurigen Dinge passieren, dann kommen sie wie Pfeile. Es gibt ein Gedicht. Darin heißt es: Wenn das Unglück auf dich herunter prasselt, dann regnet es ins Herz. (1999)

Zitate aus: Aki Kaurismäki, Herausgegeben von Ralph Eue, Linda Söffker, Maurice Lahde, Übersetzt von Ralph Eue, Katrin Fischer; Bertz + Fischer, 2006  erhältlich hier

Termine, Karten und weitere Infos hier

Das Schauspiel Stuttgart zeigt unter der Leitung von Armin Petras zeitgenössisches Theater im Kleinen Haus am Schloßgarten. Den Spielplan des Theaters und des Kammertheaters bestimmen, neben einem spielfreudigen Ensemble und modernen Interpretationen klassischer Dramatik, ein Austausch verschiedenster Kunstformen und eine Auseinandersetzung mit der Stadt und der Region Stuttgart sowie die Zusammenarbeit mit bekannten Regisseuren. Die Spielstätte Nord ist eine Plattform für neue Texte, Autoren und Formate.

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